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samoht
Member since Oct 2006
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Subject: Nebenfach Soziologie
Hallo,
hat hier jemand Soziologie im Nebenfach belegt (vorzugsweise Diplomer) und will mir ein bisschen was darüber erzählen?
Die Informationen im Netz sind leider recht spärlich, alles was ich gefunden hab ist eine Modulbeschreibung für Bachelor/Masterstudenten. [1]
Mails an den Ansprechpartner in der Soziologie hab ich schon abgesetzt, mich interessiert hier eher die Erfahrung aus Studentensicht:
- Welche Veranstaltungen wurden gewählt oder sind vorgegeben?
- Umfang des Arbeitsaufwandes: Mit wie vielen Semestern Arbeit muss man realistisch rechnen?
- Welche Voraussetzungen und welches Vorwissen wird (auch implizit) erwartet. (Mein Wahlpflichtfach im Grundstudium war nicht aus der Soziologie)
- Was habt ihr euch davon erwartet und wie lief es dann tatsächlich ab? :)
Meine Hauptmotivation wäre, zu lernen, wie man in anderen Disziplinen, abseits der Natur- und Ingenieurswissenschaften, arbeitet.

[1] http://www.informatik.studium.uni-erlangen.de/studierende/…
kissen (Moderator)
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Member since Oct 2014
107 posts
+1 lou_k
Ich habe in den letzten zwei Semestern das Nebenfach Soziologie belegt. Weil mich gerade auch konkret Leute dazu Fragen stellen, hier einfach mal öffentlich im Forum. Hilft vielleicht auch der Nachwelt. Der offizielle Plan [1,2] sieht dabei drei Veranstaltungen vor. Das ist (1) die Vorlesung Einführung in die Soziologie, (2) die Vorlesung Einführung in die Methoden der empirischen Sozialforschung und (3) ein Seminar.

Die Vorlesung Einführung in die Soziologie findet im Winter statt und hat bei mir Prof. Jan Weyand [3] gehalten. Das ist erst mal eine Einführung in einige grundlegenden Ideen der Soziologie. Also soziale Normen, rationales Handeln, Institutionen, Kommunikation, Gewalt, Tausch und so weiter. Prof Weyand meint am Anfang, Soziologie ist nur ein Fach für Leute die gerne lesen. Entsprechend gibt es zu jeder Vorlesung auch einen oder mehrere Texte als Primärquelle. Da es sich um die Grundlagen handelt sind diese Texte gerne auch mal älter. In die Vorlesung bin ich nur zwei mal gegangen (Erstis sind unverschämt laut im Hörsaal, das gilt für die Informatik wie die Soziologie). Die Klausur war kinderleicht, wenn man die Texte mal gelesen und verstanden hat. Besonders das Lesen der auch mal theoretischen Texte hat mir Spaß gemacht.

Die Vorlesung Einführung in die Methoden der empirischen Sozialforschung ist wohl eher ein praxisorientiert Einstieg für die Studierenden der Soziologie und ähnlicher Fächer. Gehalten hat es Prof Nicole Saam [4]. Es geht erst mal ein bisschen um Wissenschaftstheorie (Popper und so Kram). Dann im zweiten Teil aber geht es um konkrete Verfahren für soziologische Studien. Ich habe das Gefühl, dass diese Veranstaltung eben hauptsächlich für Studierende der Soziologie Sinn macht, denn was man hier kennenlernt ist sicher für Bachelor- und Masterarbeiten in diesem Bereich wichtig. Warum man als Nebenfachstudent der Informatik diese Veranstaltung als Pflicht serviert bekommt verstehe ich überhaupt nicht. Die Klausur ist dann leider auch noch stressiger als bei der Einführung der Soziologie, es wird Wert auf sehr ausführliche Antworten gelegt. Ich hatte nur eine 2,3.

Abschließend gibt es dann das Seminar, ganz korrekt ausgedrückt das Proseminar. Da hat man nun die Qual der Wahl, auf Studon [5] sucht man sich aus einem der vier "Qualifikationsfelder" ein Seminar aus. Zur Wahl stehen "Vergleichende Gesellschaftsanalyse", "Bildung und Lebenslauf", "Kultur und Kommunikation" und "Arbeit und Organisation". Für alle diese Bereiche gibt es Basisseminare, die in den Themenbereich einsteigen. Vermutlich ist das für einen Quereinsteiger die einfachste Wahl; ich habe mich für das Basisseminar Arbeit und Organisation entschieden. Dozent war wieder Prof. Weyand, auch weil er mir in der Einführungsvorlesung so sympathisch war. Bei jedem Termin des Seminars wurde ein Text diskutiert, der vorher von den Studierenden gelesen und verstanden hätte werden sollte. Das ganze lief über Zoom und hat leider nicht gut funktioniert, was aber an den Teilnehmern lag. Viel zu oft war neben mir und ein, zwei anderen Studierenden niemand im Seminar wirklich aktiv. Das war wirklich Schade, denn die Texte waren nicht schlecht und nicht immer einfach. Prof. Weyand gab sich aber tapfer rund stellte immer ganz nette Fragen. Nun zur Benotung, in diesem Seminar gab es zwei Möglichkeiten: Entweder (1) man gibt eine benotete Hausarbeit ab oder (2) alternativ verfasst man zu drei der Texte kurze Zusammenfassungen und bekommt einen nicht benoteten Schein für die 5 ECTS. Ich habe mich für letzteres entschieden (Überraschung). So eine Zusammenfassung schreiben kann schon mal bisschen dauern, hat mir aber auch Spaß gemacht, weil man den Text eben auch wirklich verstehen muss. Ich habe meine Zusammenfassungen mal veröffentlicht [6, 7, 8], vielleicht hilft es beim Einschätzen des Aufwands. In kurzer Zusammenfassung, beim Seminar vielleicht eher ein Basisseminar wählen (verlangt weniger Vorwissen) und auf bessere Kommilitonen als bei mir hoffen.

Also mir hat es gefallen, aber ich lese auch so gerne mal Philosophie und informatikferne Literatur.

[1] https://www.soziologie.phil.fau.de/studium/studiengaenge/n…
[2] https://www.soziologie.phil.fau.de/files/2017/12/Soziologi…
[3] https://www.soziologie.phil.fau.de/team/weyand/
[4] https://www.soziologie.phil.fau.de/team/saam/
[5] http://univis.fau.de/form?__s=2&dsc=anew/tlecture&…
[6] https://wwwcip.cs.fau.de/~ru64tiji/pdf/marx.pdf
[7] https://wwwcip.cs.fau.de/~ru64tiji/pdf/hausen.pdf
[8] https://wwwcip.cs.fau.de/~ru64tiji/pdf/nachtwey.pdf
This post was edited 2 times, last on 2020-10-20, 11:49 by kissen.
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